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Im Hinblick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung hebt die AGENDA
21, das Abschlußdokument der Konferenz über Umwelt und Entwicklung
(UNCED) in Rio 1992, die Bedeutung neuer wissenschaftlicher Anstrengungen
und Ansätze hervor, insbesondere in Bezug auf die folgenden vier »Programmbereiche«:
Im Hinblick auf derartige Fragen sind substantielle, problemorientierte Beiträge der Sozialwissenschaften für ein adäquates Verständnis von Nachhaltigkeit zweifellos unabdingbar. Dies bedeutet auch, daß sich die Natur- wie die Sozialwissenschaften einem lokalen, umweltbezogenen Wissen ebenso öffnen müssen wie unterschiedlichen kulturellen und geschlechtsspezifischen Erfahrungen. Auf diese Weise wird das Verstândnis von Nachhaltigkeit in ihren ökologischen, ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Aspekten vertieft und die Vorherrschaft hegemonialer, technokratischer und ethnozentrischer Interpretationen verhindert. Um die Rolle der Sozialwissenschaften innerhalb der Nachhaltigkeitsforschung zu stärken, halten wir folgende wissenschafts- und forschungspolitischen Maßnahmen für besonders dringlich:
1. Als ein geeigneter Rahmen für nachhaltigkeitsbezogene und politikrelevante Forschung in den Sozialwissenschaften soll das MOST-Programm (»Management of Social Transformations«) der UNESCO eine zentrale Rolle in internationalen Forschungsaktivitäten zu nachhaltiger Entwicklung spielen. Daher fordern wir die Regierungen - vor allem der Industrieländer - wie auch internationale Institutionen auf, dem MOST-Programm in finanzieller wie in organisatorischer Hinsicht eine größere und angemessenere Unterstützung zuteil werden zu lassen, um so die Grundlage für eine interdisziplinäre und problemorientierte sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung zu schaffen. 2. lm Interesse des Schaffens sozialwissenschaftlicher Kapazitäten für die Nachhaltigkeitsforschung besteht dringender Bedarf an neuen Formen interdisziplinärer Forschungsinstitute und -organisationen, die in der Lage sind, die breite Vielfalt der mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung verbundenen Probleme zu untersuchen. Die Einrichtung neuer interdisziplinärer »Centers for Sustainability Studies« auf internationaler, nationaler und vor allem regionaler Ebene wäre ein geeigneter und erfolgversprechender erster Schritt zu diesem Ziel. Darüber hinaus müssen die bestehenden Institutionen für »Development Studies« die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit in ihre Arbeit aufnehmen. Dies impliziert sowohl eine Neuorientierung der Ausbildung und Forschung in den industrialisierten Ländern des Nordens als auch den Aufbau eigenständiger und unabhängiger Ausbildungs- und Forschungskapazitäten in den Ländern des Südens. Interdisziplinäre Postgraduierten-Programme mit entsprechenden Curricula sollten an den Universitäten des Nordens und des Südens eingerichtet werden. Das UNITWIN Chairs-Programm der UNESCO kann diesbezüglich als ein geeigneter Rahmen genutzt werden. Auch hier sollten sich die Industrieländer in stärkerem Maße für eine Unterstützung der beschriebenen Prozesse engagieren. 3. Insofern das Konzept der Nachhaltigkeit eine grundlegende Herausforderung auf theoretischer und methodologischer Ebene darstellt, ist eine Neuorientierung der Sozialwissenschaften selbst erforderlich. Dies beinhaltet
Wirksame Schritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung können nur dann erfolgen, wenn nationale Regierungen und Entwicklungshilfeorganisationen in den Industrieländern, das VN-System - besonders UNESCO, UNDP, UNEP -, die Weltbank, der Globale Umweltfonds (GEF), die Europäische Union sowie auch private Stiftungen bereit sind, die sozialwissenschaftliche Forschung auf breiter organisatorischer und finanzieller Basis zu unterstützen. Die Förderung internationaler sozial-wissenschaftlicher Pilotprojekte zu Nachhaltigkeit, an denen Wissenschaftlerlnnen aus Ländern des Nordens und des Südens gleichermaßen beteiligt sind, ist ein erster Schritt zu diesem Ziel. ErstunterzeichnerInnen des AufrufsProfessor Henri Acselrad, Institute for Urban and Regional Planning (IPPUR), Federal University of Rio de Janeiro, BrazilProfessor Egon Becker, Institute for Social-Ecological Research, Frankfurt, and Department of Educational Sciences, University of Frankfurt, Germany Dr Tatjana Bochkareva, Institute of Geography, Russian Academy of Sciences, Moscow, Russia Professor Rosi Braidotti, Women’s Studies Department, University of Utrecht, The Netherlands Professor Lothar Brock, Department of Social Sciences, University of Frankfurt, Germany Professor Nazli Choucri, Department of Political Science, MIT, Cambridge MA, USA Professor Margrit Eichler, Department of Sociology in Education, Ontario Institute for Studies in Education, University of Toronto, Canada Dr Marina Fischer-Kowalski, Institute for Interdisciplinary Research and Continuing Education, Innsbruck, Klagenfurt, Vienna, Austria Professor John Gowdy, Department of Economics, Rensselaer Polytechnic Institute, Troy NY, USA Dr Ramachandra Guha, Bangalore, India Professor Paulina Makinwa-Adebusoye, Nigerian Institute of Social and Economic Research (NISER), Ibadan, Nigeria Professor Joan Martinez Alier, Department of Economics and Economic History, Autonomous University of Barcelona, Spain Professor Hisayoshi Mitsuda, Department of Sociology, Bukkyo University, Kyoto, Japan Professor Robert Paehlke, Department of Political Studies and Environmental and Resource Studies Program, Trent University, Peterborough, Canada Dr Shalini Randeria, Institute of Sociology, Free University, Berlin, Germany Professor Carlos Reboratti, Director, Institute of Geography, University of Buenos Aires, Argentina Professor Michael Redclift, Wye College, University of London, Great Britain Professor Ignacy Sachs, Centre de Recherches sur le Brésil contemporain, Ecole des Hautes études en sciences sociales, Paris, France Professor Rusong Wang, Department of Systems Ecology, Research Center for Eco-Environmental Sciences (RCEES), Chinese Academy of Sciences (CAS), Beijing, China Professor Carol Werner, Department of Psychology, University of Utah, Salt Lake City, USA
Die Erstunterzeichnerinnen sind die TeilnehmerInnen des
UNESCO-MOST Projekts « Sustainability as a Concept of Social Sciences
». Weitere Personen sind herzlich eingeladen, den Aufruf zu unterstützen.
Wer dies tun möchte, wird um eine entsprechende Mitteilung an das
Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt gebeten.
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
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